Die neue - alte - Kleinglocke im Geläut

Vor wenigen Jahren erst wurde das Geläut der Katharinenkirche umfangreich ergänzt und zu einem klangvollen Vollgeläut ausgebaut. In das neue Geläut konnte allerdings nur eine einzige historische Glocke, die mittelalterliche Apostelglocke, integriert werden.

Von den in den Quellen bezeugten ursprünglichen eigenen Glocken war die große „Betglocke“ (ein Umguß von 1837, davor von 1464) offensichtlich schon im 1. Weltkrieg eingeschmolzen worden. Bei Danneill wurden im 19. Jahrhundert vier Glocken genannt: Die Bet-, die Apostel-, die Wächter- und eine Kleine Glocke - das typische Geläut einer Stadtpfarrkirche.

Eine handschriftliche Aufstellung von 1940 ist etwas widersprüchlich und zum Teil unleserlich, deshalb bleiben die Nachrichten über eine mysteriöse 5. Glocke, mit dem traditionellen Glockennamen „Kleppglocke“ höchst unklar. Eindeutig wurde in diesen Aufzeichnungen jedoch eine alte „Kleinglocke“ „über der Brauttür“ erwähnt, die „zu den Nebengottesdiensten“ rief und von der es heißt: „Wir konnten nicht hinauf Schätzung 35 cm Durchmesser“. Das Gewicht wurde auf „ca. 20 kg“ geschätzt. Diese und die drittgrößte „Wächterglocke“ (nach Fotos zu urteilen auch mittelalterlich) waren dann seit dem 2. Weltkrieg verschwunden; Ende der 40er Jahre kam dafür die alte Glocke des Elisabeth-Hospitals nach Katharinen, wurde aber nie geläutet (sie wird künftig in der alten Heilig-Geist-Kapelle läuten).
Nachdem nun mit der neuen „Friedensglocke“ ein Ersatz für die Betglocke geschaffen wurde und die „Christusglocke“ an die Stelle der Wächterglocke trat, sowie die „Gebets-“ und die „Katharinenglocke“ das Geläut abrundet, gab es vor wenigen Jahren eine mysteriöse Schenkung:
Eine mittelalterliche Kleinglocke,
die angeblich von einem Altmetallhändler stammen sollte (ohne weitere Herkunftsangabe), wurde der Gemeinde übereignet. Merkwürdigerweise besitzt sie - ebenso wie die verschollene Kleinglocke über der Brauttür - keine weiteren Inschriften, hat - ebenso wie diese alte Glocke - einen Durchmesser von exakt 34 cm und entspricht auch vom geschätzten Gewicht dieser. Nun sind Glocken regelrechte„Einzelpersönlichkeiten“, so dass das Vorkommen von Doppelgängern durchaus selten ist. Deshalb liegt der Gedanke nahe, dass die alte Glocke über der Brauttür auf irgendwelchen verschlungenen Wegen tatsächlich in die Katharinenkirche zurückkehrt ist. Aber selbst wenn sie nicht dieselbe Glocke sein sollte, so ist sie doch eindeutig eine gleiche, die der ursprünglichen auf das Haar gleicht und deshalb problemlos deren alte Stelle einnehmen kann.
Gemeinsam mit dem Glockensachverständigen Claus Peter wurde bereits eine Vorortbesichtigung am alten Aufhängungsort vorgenommen und dabei festgestellt, dass eine Anbringung dort relativ unproblematisch sein dürfte. Mit der Kollekte von über 500 Euro, die das Konzert des Ensembles von
Herrn Peter am 30. Juli 2011 erbrachte, ist zudem ein finanzieller Grundstock für weitere Spenden gelegt. Auch eine liturgische Funktion für diese Glocke ist bereits angedacht: Sie soll das traditionelle Vaterunser- und Abendmahlsläuten während des Gottesdienstes übernehmen, wozu sie aufgrund ihrer geringen Größe auch bestens geeignet ist.

Ihr Matthias Friske
Nov. 2011



(C) 2005 - Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken