Ein Rundgang durch die Kirche

Betritt man die Katharinenkirche durch das Westportal, dann liegt das Kirchenschiff und der Chorraum vor dem Besucher. 70 Meter beträgt der Weg vom Westportal bis zu den Chorfenstern - eine Sichtachse, auf der das Leben als Christ dargestellt wird.

Am Anfang des Lebens als Christ steht die Taufe - deshalb steht das Taufbecken am Anfang des Kirchenschiffes. Es erzählt von der Befreiung des getauften Menschen:
Vier Löwenköpfe als Bilder für die dämonischen Kräfte und Ängste, die unser Leben zu beherrschen trachten, bilden die Basis. Auf diesen Löwenköpfen steht die Heilige Katharina - sie stellt sich zwischen den Täufling und die dämonischen Mächte: sie sind überwunden.
Das eigentliche Taufbecken zeigt 13 Figuren: den auferstandenen Christus und die zwölf Apostel. An ihnen orientiert sich das neue Leben, das mit der Taufe beginnt. Im Mittelalter wurden Kinder getauft, indem sie ganz untergetaucht wurden - das Wasser schlägt über ihnen zusammen: begraben mit Christus; sie tauchen wieder aus dem Wasser empor: auferstanden mit Christus.


Taufbecken (1421)

Das Leben als Christ führt durch den Raum der Gemeinde.
Heute stehen hier Bänke - im Mittelalter standen dort Menschen. Selbstverständlich stand man, wenn das Wort Gottes verkündigt und gefeiert wurde. Und man bewegte sich - vollzog mit dem eingenen Körper Gesten der Ehrfurcht oder des Lobes Gottes.
Die Verkündigung des Wortes Gottes geschah vom Predigtstuhl bzw. der Kanzel aus. Dabei ist die Kanzel selbst eine Predigt: Die Reliefdarstellungen am Kanzelkorb erzählen - und deuten - die Geschichte Jesu Christi:
- die Verkündigung des Engels an Maria, dass sie den Erlöser zur Welt bringen werde;
- die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem;
- die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer im Jordan;
- die Kreuzigung Jesu;
- die Auferstehung Christi;
- der Evangelist Johannes schreibt die Geschichte Jesu auf.



Wenn Sie das Relief mit der Darstellung der Auferstehung genau anschauen, dann können sie im Hintergrund eine Stadtsilhouette mit einem markanten Kirchturm erkennen: den Kirchturm der Marienkirche, so wie er sich von hier - von der Neustadt aus gesehen - darstellt. Dieses Bild sagt:
Hier und heute geschieht´s!
Die Auferstehung Jesu Christi damals vor den Toren von Jerusalem muss dir hier und heute wichtig werden. Sonst bleibt das `ein Märchen aus uralten Zeiten, das kommt dir schnell aus dem Sinn´.
Die Menschen hier und heute sollen spüren: Der Tod hat uns nicht in der Hand - er spricht dem Leben nicht seinen Sinn ab.
Die Menschen hier und heute sollen merken: Unser Leben hat einen weiteren Horizont - da ist am Grab nicht einfach Schluss.
Die Menschen hier und heute sollen hoffen: Mein Leben und das dieser Welt läuft nicht auf´s Verderben zu - Gottes letztes Wort mit uns heißt: Heil.


Kanzelrelief "Auferstehung"

Aus einem im dreißigjährigen Krieg verwüsteten Dorf (Buckau) stammt dieser Marienaltar, der seit 1947 in der Katharinenkirche steht. "Maria auf der Mondsichel" ist ein Motiv aus der Offenbarung des Johannes - mit diesem Bild verbindet sich die Hoffnung, dass Krieg, Not und Gewalt (dargestellt als dämonische Fratze unterhalb der Mondsichel) überwunden werden. Der Chor der Engel umgibt die Madonna, dazu die Schar der Heiligen, die gewaltsam zu Tode gekommen sind - darunter auch die heilige Katharina, nach der unsere Kirche benannt ist.


Strahlenkranzmadonna


Weiche, kindliche Züge, ein schmaler Körper und sanfte Hände - das Rad trägt sie wie ein Spielzeug. Und doch steht es für die grausame Art ihrer Hinrichtung. Die Krone auf ihrem Haupt ist eine Märtyrerkrone: Zeichen dafür, dass Katharina für ihr Glaubenszeugnis hingerichtet worden ist.
Die Legende erzählt, dass Katharina eine gediegene Schulbildung erhielt. Im Alter von 18 Jahren gerät sie in die schwierige Situation, ihren christlichen Glauben öffentlich zu verteidigen: 50 heidnische Philosophen werden aufgeboten, um Katharina von ihrem Glauben abzubringen. Sie aber weist so überzeugend die Wahrheit ihres Glaubens auf, dass alle 50 Philosophen ihrer Einsicht folgen. Welch ein Vertrauen liegt in dieser Legende, dass Glauben und Verstehen keine Gegensätze sind!


Der Einhornaltar

Der Einhornaltar im Chorraum (1474)


Anhand einer antiken Legende erzählen die Holzschnitzarbeiten dieses Altares die Weihnachtsgeschichte:
Das Einhorn - so die Legende - ist das wilde Tier, das nur zu zähmen ist, wenn es den Kopf in den Schoß einer Jungfrau legt. Dieses Einhorn wird im Mittelschrein durch den Erzengel Gabriel ("Verkündigungsengel") gejagt. Ihn begleiten vier Hunde, die für die vier Grundtugenden der Barmherzigkeit, der Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Friedfertigkeit stehen. Maria sitzt in einem verschlossenen Garten (der "hortus conclusus" ist Symbol für die Unberührtheit Mariens). In ihrem Schoß birgt sich das Einhorn.


Eine Fülle symbolischer Bezüge umgeben Maria: Mose kniet vor dem brennenden Dornbusch, aus dem heraus Gott ihn beauftragt, sein Volk aus Ägypten herauszuführen;
Aaron kniet vor einem Altar mit 12 Stäben (für die 12 Stämme Israels) - einer der Stäbe treibt grüne Zweige zum Zeichen, dass aus diesem Stamm (Juda) der Messias kommen wird; der Richter Gideon kniet betend - vor ihm liegt ausgebreitet das Wollflies, an dem Gott ihm seinen Willen deutlich machen soll.
Um den Mittelschrein mit der Einhornjagd wird die Weihnachtsgeschichte erzählt: die Geburt Johannes des Täufers (urspr. Mariengeburt), die Geburt Jesu, die Weisen aus dem Morgenland und der Kindermord des Herodes.


Die heiligen drei Könige

Die Chorfenster hinter dem Altar stehen am Ende unseres Weges durch die Kirche. Die Glasmalerei schlägt einen Boden von der Schöpfung bis zum Ende der Welt: in ihrem letzten Feld (Südseite ganz oben) stellen die Fenster dem Besucher das Jüngste Gericht vor Augen.
Wir denken bei dem Wort "Gericht" zunächst an einen Richter in Robe, der ein Urteil ausspricht und schlimmstenfalls die Hinrichtung anordnet. Ein Mensch des Mitelalters hat aber bei dem Wort "Jüngstes Gericht" viel eher an "richten" im Sinne von "gerade machen" gedacht. Das war kein angsterfülltes, sondern vielmehr ein hoffnungsvolles Wort für ihn: Im Jüngsten Gericht wird das gerade gemacht, was in meinem Leben schief gelaufen ist - da wird das wieder zurecht gebracht, was in meinem Lebenslauf aus dem Gleis geraten ist.
Zwischen Taufe und Jüngstem Gericht spannt sich das Leben als Christ aus - ein Leben, das sich in unserer Kirche abbildet.


Die Katharinenkirche - Gotik und Glaube Architektur ist Theologie.



Die Katharinenkirche - Raum und Ausstattung Kunstgut erzählt vom Glauben.



Die Katharinenkirche - das Gotteshaus heute Diese Kirche ist kein Museum.




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Baugeschichte

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Rundgang

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